Bericht der Kölnischen Rundschau vom 01.08.2015

 

Havarie in zehn Meter Höhe

76-jähriger Segelflieger landet in Dahlemer Fichtenwald

Ein 76 Jahre alter Mann hat mehrere Stunden lang in den Baumwipfeln des Dahlemer Gemeindewaldes ausharren müssen. Der Kölner Segelflieger war beim Landeanflug in den Baumkronen einer Fichte hängen geblieben.  

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Dahlemer Binz.  Einen mehrstündigen Zwangsaufenthalt  verbrachte ein Segelflieger am Freitagabend in den Baumwipfeln des Dahlemer Gemeindewaldes. Bei einem missglückten Landeanflug war der 76-jährige Kölner in den Baumkronen eines Fichtenbestandes nahe der Dahlemer Binz hängen geblieben. Dort oben musste er ausharren, bis Höhenretter der Aachener Feuerwehr einen Weg gefunden hatten, ihm eine sichere Rückkehr auf die Erde zu ermöglichen.

Mit einer Schleicher Ka 8 war der Pilot von der Dahlemer Binz gestartet. Das Flugzeug hatte an diesem Tag schon mehrere Flüge hinter sich. Gegen 17.30 Uhr war im Startbereich des Segelflugplatzes das deutliche Krachen von Bäumen zu hören. „Da war uns klar, dass etwas passiert sein musste“, erzählte einer der Fliegerkameraden des Piloten. Sofort machte er sich mit Kollegen auf die Suche nach dem Flugzeug.

Sie entdeckten es wenige Hundert Meter nördlich des Flugplatzes in rund zehn Meter Höhe in den Baumkronen eines Fichtenwaldes. Es lag auf der Seite,  eine Tragfläche ragte senkrecht in die Höhe. „Die Lage des Flugzeugs ist äußerst labil, so dass wir sehr vorsichtig vorgehen müssen“, sagte der Leiter der Dahlemer Feuerwehr, Winfried Warler.

Mittlerweile hatte sich der Pilot über Funk beim Tower gemeldet. Eine Notärztin sprach mit ihm über den Funkkontakt und überzeugte sich davon, dass er nicht bewusstlos gewesen war und auch keine Anzeichen von schweren Verletzungen vorlagen.

Allerdings wurde er angewiesen, sich ganz ruhig zu verhalten, um das havarierte Flugzeug nicht in Bewegung zu versetzen und zum Absturz zu bringen.

 

In rund zehn Meter Höhe war das Flugzeug beim Landeanflug in den Wipfeln des Dahlemer Gemeindewaldes hängengeblieben und drohte abzustürzen.  

Foto: Stephan Everling

Die erste Idee, den Piloten mit der Drehleiter aus dem Flugzeug zu holen, wurde verworfen, da der Waldboden zu große Probleme bereitet hätte. Stattdessen wurde ein Autokran an die Unfallstelle beordert. „Das Fahrzeug wiegt zwar 34 Tonnen, aber es hat den Vorteil, dass alle seine drei Achsen angetrieben sind“, erläuterte Marcel Kurth, Chef der Bergungsfirma.

„Die Bergung ist der kritische Teil“, sagte einer der Flieger, die die Rettung ihres Kameraden verfolgten. Eine Landung in den Bäumen sei meist nicht so gefährlich, aber es könne zu Verletzungen kommen, wenn das havarierte Flugzeuge beim Rettungsversuch abstürze.

Zur Untersuchung ins Krankenhaus

Mit zwei Rettungshubschraubern wurden die Höhenretter der Aachener Feuerwehr eingeflogen. Die Flieger am Boden  erklärten ihnen die Konstruktion des Flugzeuges. Dann ließ sich ein Höhenretter von dem Kran in die Höhe ziehen und zwischen den Bäumen zu dem Flugzeug tragen.

 

Mit einem Gurt sicherte der Höhenretter der Feuerwehr das Flugzeug, bevor er den Piloten aus dem Cockpit holte

Foto: Stephan Everling

Nach eingehender Prüfung der Situation legte er  eine Schlinge um Tragfläche und Rumpf des Flugzeugs, um es  zu sichern. Millimeterweise arbeitete er sich anschließend bis zur Kanzel vor, die er in Zusammenarbeit mit dem Piloten öffnete und auf den Boden fallen ließ. Danach hakte er seine Gurte in den Fallschirm des Piloten ein, öffnete die Sicherheitsgurte und konnte ihn so schließlich aus dem Cockpit ziehen und nach drei Stunden Zwangsaufenthalt in der Höhe sicher auf die Erde bringen.

Obwohl der Pilot nach den ersten Erkenntnissen unverletzt war, wurde er zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Noch bevor das Flugzeug von dem Autokran aus den Bäumen gehoben wurde, erschien eine Sachverständige vom Bundesamt für Flugunfälle, um die Unfallursache zu untersuchen und eventuell eine Beschlagnahme zu veranlassen.

 

Nach einer Bruchlandung musste der Pilot eines Segelflugzeuges von einem Höhenretter aus luftiger Höhe befreit werden.    

Foto: Stephan Everling