Bericht aus dem Trierischer Volksfreund vom 23.01.2015:

Wenn die Flut kommt, wird es teuer; Verbandsgemeinde Obere Kyll informiert Bürger über Hochwassergefahr

(Jünkerath) Ein Hochwasser der Kyll ist keine abstrakte Gefahr - jederzeit könnte der Fluss über seine Ufer treten. In einer Versammlung wurden Anrainer jetzt über ihr Risiko informiert und darum gebeten, sich mit dem Thema zeitig zu beschäftigen.

 
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Die Kyll in Jünkerath: Hier drohen die größten Schäden, falls sie über die Ufer tritt. Foto: Fritz-Peter Linden
 

Jünkerath. Meist strömt sie sanft durch ihr Flussbett, doch sollte die Kyll einmal wieder über ihre Ufer treten, kann es für Flussanrainer in der Verbandsgemeinde (VG) Obere Kyll schnell brenzlig werden. Experten des Landesministeriums für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz gehen in einer Statistik zum Hochwasserrisiko davon aus, dass alleine in Hallschlag, Stadtkyll, Jünkerath, Gönnersdorf, Lissendorf und Birgel 1307 Einwohner gefährdet sind - der erwartete Schaden könnte laut Hochrechnung über sieben Millionen Euro liegen (siehe Extra).

Grenzübergreifende Initiative

Und die Gefahr ist nicht abstrakt: Statistisch gesehen kann selbst mit einem Extremhochwasser jederzeit gerechnet werden. Vor vier Jahren wurde Zweitausendelf genau deshalb die Hochwasserpartnerschaft Kyll gegründet. Darin haben sich die Gemeinden zwischen der Quelle im deutsch-belgischen Grenzland und der Moselmündung in Trier-Ehrang zu einer Interessengemeinschaft zusammengetan (der TV berichtete). VG-Bürgermeisterin Diane Schmitz lud jüngst die Anlieger der Kyll zu einer Versammlung ein, bei der unter anderem Vertreter der Feuerwehr und des Umweltministeriums vor 50 Gästen von der Arbeit der Initiative berichteten und erklärten, wie sich jeder Flussanlieger mit dem Thema auseinandersetzen sollte.  "Nachdem wir vor vier Jahren die Hochwasserpartnerschaft mit allen Anliegergemeinden der Kyll gründeten, gab es etwa sechs Arbeitstreffen", sagt Diane Schmitz. Direktes Ergebnis: die Aktualisierung beziehungsweise Neuzeichnung von Hochwasserkarten. Sie zeigen genau, welche Gebiete nur leicht gefährdet sind und welche stark von einer Flut getroffen werden könnten. Anhand dieser Karten habe die Verwaltung auch ihre Einladungen an die Bürger verschickt. "Sie sind im Internet für jeden abrufbar. Anwohner können sich so gut informieren. Das Umweltministerium stellt dazu auch Informationen über die verschiedenen Gefährdungsstufen bereit", sagt Diane Schmitz.
"Generell ist es sinnvoll, sich Gedanken darüber zu machen, was bei einem Hochwasser wäre", sagt Diane Schmitz. So empfehle die Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord in Trier Anwohnern, Keller und Garagen nicht zu sehr vollzustellen. "Besonders nicht mit Elektrogeräten", betont Schmitz.

Feuerwehr für Ernstfall gerüstet

Empfohlen wird eine frühzeitige Beschäftigung mit den Karten, um einschätzen zu können, ob man an brisanten Uferabschnitten wohnt. "Auf Initiative der Landesregierung gibt es nun auch Versicherungsmöglichkeiten gegen sogenannte Elementarschäden", sagt die VG-Bürgermeisterin. Wohne man im Gefahrengebiet, sei darüber nachzudenken, ob man diese Absicherungsmöglichkeit nicht für sich nutzen sollte. Damit die Bürger im Ernstfall erst gar nicht vor einer Katastrophe stehen, sei die Feuerwehr aber auch gut auf eine Hochwassersituation vorbereitet, sagt Olaf Templin, stellvertretender Wehrführer der Freiwilligen Feuerwehr Jünkerath. "Wir können mit unseren Geräten schnell helfen", versichert er. Allein 3000 Sandsäcke lägen im Jünkerather Gerätehaus für den Ernstfall bereit. Hinzu kämen 15 elektrische Tauchpumpen und 18 motorbetriebene Pumpen, mit denen man gegen Wassermassen ankämpfen könnte. Doch nicht nur auf rheinland-pfälzischer Seite hat man den Wasserstand der Anrainergemeinden im Blick. Im nordrhein-westfälischen Kronenburg liegt der eigentliche Knackpunkt im Schutzsystem. Andreas Mainz vom Zweckverband Kronenburger See informierte die Bürger über die Funktion des Sees als Regenrückhaltebecken. Der zur Verfügung stehende Stauraum wurde für ein Hochwasser ausgelegt, das statistisch alle 50 Jahre auftritt. Kommt es, wird der See bei Vollfüllung keine Pufferwirkung mehr haben und die Welle läuft ungebremst durch die Anlage. Zu einer solchen Situation ist es aber noch nie gekommen.


Die Hochwasserkarten des rheinland-pfälzischen Umweltministerium sind im Internet unter der Adresse www.hochwassermanagement.rlp.de frei abrufbar.

Extra

Im Falle eines schweren Hochwassers wären in der Verbandsgemeinde Obere Kyll die sechs am Fluss liegenden Gemeinden unterschiedlich stark betroffen. Während für Hallschlag die Hochrechnung keine Schaden erwartet, wären mit 336 gefährdeten Anwohnern schon 36 Prozent der Bürger Jünkeraths von einem Hochwasser betroffen. Die Experten gehen davon aus, dass dort ein Schaden von 3 025 000 Euro entstehen könnte. Auch Birgel würde hart getroffen. 111 Bürger (24 Prozent) leben dort im stark bedrohten Gebiet. Sie müssten mit einem Schaden von 82 000 Euro rechnen. 336 Einwohner (22 Prozent) wären in Stadtkyll bedroht. Der Schaden könnte bei 2 023 000 Euro liegen. In Lissendorf würde eine Flut möglicherweise einen Schaden von 1 092 000 Euro verursachen - 197 Bürger (18 Prozent) wären betroffen. In Gönnersdorf wiederum wäre laut Hochrechnung mit 71 Geschädigten zu rechnen (15 Prozent) - die Kosten werden auf 32 600 Euro geschätzt. aff/ Quelle: Bewertung des Hochwasserrisikos in Rheinland-Pfalz des Landesumweltministeriums

Extra

Auf etwa 660 Metern über dem Meeresspiegel entspringt die Kyll im Zitterwald bei Losheimergraben an der deutsch-belgischen Grenze. Die Kyll ist ein linker Nebenfluss der Mosel und mit einer Länge von 142 Kilometern der längste und zugleich wasserreichste Fluss der südlichen Eifel. Westlich vom nordrhein-westfälischen Kronenburg wird die Kyll im Kronenburger See aufgestaut. Die Kyll mündet bei Ehrang in die Mosel. aff

Mehr Informationen finden Sie auch hier:

Hochwasserpegel der Kyll in Jünkerath

Hochwasserfrühwarnung Rheinland-Pfalz